Neusiedler See nah am Tiefststand
Der Wasserstand des Neusiedler Sees nähert sich dem historischen Tiefstwert. Derzeit liegt er nur drei Zentimeter über dem Wert aus dem Jahr 2022. Zu Jahresbeginn hatte der See heuer noch deutlich mehr Wasser als vor vier Jahren. Betriebe rund um den See spüren die Folgen dieser Lage.
Das Kranen der Boote aus dem Neusiedler See am Ende der Saison gestaltet sich heuer besonders schwierig. In Rust etwa trifft derzeit zu wenig Wasser auf zu viel Schlamm. Bis jetzt seien fast 80 Prozent der Boote, die ihr Betrieb aus dem Wasser herauskrane, „aufgesessen“, weil es einfach vor dem Krangelände in der Ruster Bucht zu verschlammt sei, erzählte Isabella Bendi von einem Yacht- und Bootservice in Rust. Dabei war der Bereich bereits vor Wochen ausgebaggert worden.
Hitze verdarb Betrieben das Geschäft
Diese Schwierigkeiten kennen die Yacht- und Bootsservice-Betriebe rund um den See. Den über den Sommer hin ständig sinkenden Wasserstand bekamen die Betriebe auch wirtschaftlich zu spüren. Aufgrund der Hitze seien wenige Leute am See gewesen und gesegelt, sagte Bendi: „Somit ist auch weniger kaputt geworden – weniger Arbeit für uns.“
Diese Erfahrung machte auch Philipp Kolla in Weiden am See. Er ist einer der wenigen zertifizierten Bootselektriker am See. Sein Geschäft ging heuer um etwa 30 Prozent zurück. Er zog Parallelen zum Jahr 2022. Auch damals seien viele Leute zum Balaton nach Ungarn ausgewichen und er habe viele Kunden verloren. Aber nicht nur seine Branche leide, so Kolla. Vom Tourismus über das Handwerk, die Fischerei bis hin zum Lebensmittelhandel hängen viele am Wasserstand des Neusiedler Sees: „Wenn da kein Wasser hineinkommt, dann schaut es nächstes Jahr komplett traurig aus. Also ich glaube nicht, dass man dann den Wassersport, wie man ihn gewöhnt ist, noch weiterführen kann.“
Schilfmanagement setzt auf Schilfschneiden
Um das vorhandene Wasser so gut wie möglich im See zu halten, setzt die seit drei Jahren tätige Seemanagement GmbH unter anderem auf das Schneiden von Schilf, das wie ein Schwamm wirkt. Bei Purbach zum Beispiel wurde am Mittwoch Altschilf mit neuen, effizienten Maschinen geschnitten. Es gehe darum, das Knick- und Bruchschilf im Hinterland zu entfernen, denn das Schilf von heute sei der Schlamm von morgen, erklärte der Geschäftsführer der Seemanagement GmbH, Erich Gebhardt.
Schlammabsaugen beginnt Ende Oktober.
Derzeit werden die Rohre für das Schlammabsaugen in den Häfen und Zufahrten der 14 Seegemeinden verlegt. Start ist Ende Oktober. In Weiden am See wird gerade ein neues Schlamm-Absetzbecken errichtet – das bereits sechste am See. Dennoch würden manche gerne noch mehr Maßnahmen sehen. „Hier sei es auch wichtig, zu sagen, dass die Seemanagement eigentlich ein Lohnunternehmen ist“, betonte Gebhardt. Man sei eine wirtschaftlich gelenkte Firma. „Uns kann jeder quasi beauftragen, wo welche Maßnahmen durchgeführt werden.“
Die Aufträge kämen von Gemeinden bis hin zu Yachthafenbetreibern, mit denen man sich im Frühjahr immer abspreche. Helfen würde auch die Erlaubnis, Schilf kontrolliert abbrennen zu dürfen. Doch trotz schon länger laufender Gespräche zwischen Land und dem zuständigen Ministerium gibt es keine Erlaubnis dafür.
Stand 08.10.2026 - red, burgenland.ORF.at
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